Regierungsratswahlen Graubünden 2026: Valérie Favre Accola schafft den Sprung in die Bündner Regierung
Die Bündner Stimmbevölkerung hat bei den Regierungsratswahlen 4 bisherige Regierungsmitglieder bestätigt und den frei-werdenden 5. Sitz neu besetzt. Neu in die Kantonsregierung gewählt wurde die Davoser SVP-Politikerin Valérie Favre Accola. Damit kehrt die SVP nach jahrelanger Abwesenheit in die Bündner Exekutive zurück.
Die meisten Stimmen erzielte der bisherige FDP-Regierungsrat Martin Bühler mit 42’299 Stimmen. Dahinter folgen Marcus Caduff (40’153), Carmelia Maissen (34’519) und Peter Peyer (32’856). Valérie Favre Accola komplettiert die neue fünfköpfige Regierung.
Die Wahl stand besonders im Zeichen des Rücktritts von Jon Domenic Parolini. Der Mitte-Politiker durfte nach zwölf Jahren im Amt aufgrund der gesetzlichen Amtszeitbeschränkung nicht mehr kandidieren. Sein Ausscheiden machte den einzigen offenen Regierungssitz frei.
Mit der Wahl der Davoserin erhält die Bündner Regierung nicht nur ein neues Gesicht, sondern auch eine bürgerliche Stimme. Die langjährige Großrätin, ehemalige Standespräsidentin und Statthalterin der Gemeinde Davos setzte im Wahlkampf auf Themen wie regionale Entwicklung, Tourismus, Wirtschaft und starke Bergregionen.
Die neue Bündner Regierung setzt sich damit aus zwei Vertretern der Mitte, je einem Mitglied von FDP, SP und SVP zusammen. Eine Abwahl eines bisherigen Regierungsmitglieds blieb aus.
Enttäuschung für Saratz Cazin, Zanetti, Michael und Bott
Während 4 bisherige Regierungsmitglieder bestätigt wurden und Valérie Favre Accola den Sprung in die Bündner Regierung schaffte, endete der Wahlsonntag für die übrigen Kandidierenden mit einer Niederlage.
Am nächsten an einer Wahl stand die GLP-Politikerin Nora Saratz Cazin. Die Gemeindepräsidentin von Pontresina erhielt 24’908 Stimmen und verpaßte den Einzug in die Regierung trotz eines engagierten Wahlkampfs deutlich. Saratz Cazin hatte insbesondere mit ihren Positionen zu Nachhaltigkeit, Innovation und einer stärkeren Vertretung der jüngeren Generationen auf sich aufmerksam gemacht. Als Kandidatin der Grünliberalen konnte sie aber nicht auf ein Stimmenpotential wie Kandidaten der größeren Parteien Mitte, SP, SVP oder auch FDP zurückgreifen. So erreichte die GLP auf kantonaler Ebene nur etwas über 6% Stimmenanteil bei den letzten Wahlen 2022, aktuell sogar noch etwas weniger. Eine Regierungsratskandidatin kann also mit einer Parteimitgliedschaft bei der GLP auf weit weniger Wählerpotential zurückgreifen, insofern ist das Resultat beachtlich. Oder anders gesagt: Bei einer Mitgliedschaft in einer anderen Partei wäre sie wohl gewählt worden.

Knapp hinter ihr landete die Mitte-Kandidatin Aita Zanetti mit 24’742 Stimmen. Die Großrätin aus dem Misox hoffte, den frei werdenden Sitz ihrer Partei verteidigen zu können. Trotz breiter Unterstützung innerhalb der Mitte gelang es ihr nicht, genügend Wählerinnen und Wähler über die Parteigrenzen hinaus zu mobilisieren.
Deutlich abgeschlagen folgte FDP-Kandidat Maurizio Michael. Der Churer Großrat erreichte 13’827 Stimmen und blieb damit weit hinter den Spitzenplätzen zurück. Für die FDP bedeutete das Ergebnis, daß sie zwar weiterhin mit Martin Bühler in der Regierung vertreten bleibt, einen zweiten Sitz jedoch klar verpaßte.
Ebenfalls ohne Chance auf einen Regierungssitz blieb Reto Bott. Der Kandidat konnte sich im kantonalen Rennen nicht entscheidend in Szene setzen und spielte im Kampf um die frei gewordene Position letztlich keine entscheidende Rolle, abgesehen von der, daß er anderen Neukandidierenden natürlich Stimmenanteile wegnahm. 10.593 stimmten für ihn.
Die Regierungsratswahl 2026 zeigte, daß sich die Bündner Stimmbevölkerung für Kontinuität in der Regierung entschied und den frei werdenden Sitz an die SVP vergab. Für die unterlegenen Kandidierenden bleibt die Erkenntnis, dass ein erfolgreicher Angriff auf die etablierte Regierungszusammensetzung auch in Graubünden eine große Herausforderung darstellt.
Rückblende auf eine frühere Regierungsratswahl
Neu ist die SVP wieder in der Bündner Regierung. Zuletzt hatte die SVP im Jahr 2018 mit 68 Stimmen Unterschied die Wahl verpaßt. Angetreten war damals der Polizeikommandant Schlegel, welcher im Zuge der Affäre Quadroni, bei der die Kantonspolizei in die Kritik geriet ebenfalls ins Kreuzfeuer der Kritik kam. Auch Jan Domenic Parolini geriet damals stark in die Kritik, aber er bekam 68 Stimmen mehr. Gegenüber dem hier Schreibenden äußerte er am Freitag angesprochen auf die knappe damalige Wahl, die Affäre Quadroni sei „von Medien aufgebauscht worden“. Damals hatte die Publikation „Die Republik“ eine ihrer wenigen spannenden Recherchen veröffentlicht, dies notabene mittels der Journalistin Anja Conzett, die mit dem SP-Politiker Andri Perl liiert war. Sie erhielt im Anschluß bei der SVP Graubünden Hausverbot, wurde bei einem Anlaß gebeten, den Raum zu verlassen.
(rm)


