Politisches Beben in Scuol: Gemeindepräsidentin Aita Zanetti verpaßt absolutes Mehr

Politisches Beben in Scuol: Gemeindepräsidentin Aita Zanetti verpaßt absolutes Mehr

Sie trat erst diesen Sommer als in Graubünden bekannte Politikerin bei den Regierungsratswahlen. Erfolglos. Nun klappte die Wahl nicht einmal in der eigenen Heimatgemeinde.

Damit hatte im Unterengadin niemand gerechnet: Trotz fehlender Gegenkandidatur ist die amtierende Scuoler Gemeindepräsidentin Aita Zanetti im ersten Wahlgang spektakulär gescheitert. Am 15. November kommt es zu neuen Wahlen.

Die Stimmbevölkerung von Scuol hat bei den Behördenwahlen für die Amtsperiode 2027–2030 am vergangenen Sonntag für eine handfeste politische Überraschung gesorgt.

Was für die bisherige Gemeindepräsidentin Aita Zanetti eigentlich eine reine Formsache hätte sein sollen, mündete in einem deutlichen Denkzettel an der Urne.

Obwohl kein offizieller Herausforderer gegen sie antrat, verfehlte Zanetti das absolute Mehr und muß nun im November in den zweiten Wahlgang.

Die Macht der „Vereinzelten“

Die nackten Zahlen des offiziellen Wahlprotokolls offenbaren das Ausmaß des Protests: Bei 512 gültigen Stimmzetteln lag das absolute Mehr bei 257 Stimmen. Aita Zanetti konnte jedoch lediglich 236 Stimmen auf sich vereinen – am Ende fehlten ihr exakt 21 Stimmen zur direkten Wiederwahl.
Der Grund für das Scheitern liegt in einer massiven Mobilisierung für nicht offiziell kandidierende Personen, sogenannte Vereinzelte. Auf diese entfielen insgesamt 276 Stimmen und damit mehr als auf die eigentliche Amtsträgerin.

Im Tal bekannte Persönlichkeiten wurden von den Stimmbürgern kurzerhand auf den Wahlzettel geschrieben. Allen voran Mario Toutsch, der aus dem Stand 128 Stimmen erhielt, sowie Jon Domenic Parolini mit 36 Stimmen.

Gemeindevorstand komplett – Kritiker gewählt

Während das Präsidium vakant bleibt, ist der sechsköpfige Gemeindevorstand für die neue Legislaturperiode bereits im ersten Anlauf vollständig besetzt worden. Drei Bisherige schafften die Wiederwahl problemlos: Curdin Thomas (Ardez, 566 Stimmen), Fadri Blanke (Ftan, 566 Stimmen) und Dario Giovanoli (Scuol, 389 Stimmen).

Neu in die Exekutive gewählt wurden Berta Prevost (Guarda, 523 Stimmen) sowie Simone Clalüna (Sent) und Mathias Eisenhut (Tarasp). Letzterer gilt im Tal als profilierter und öffentlicher Kritiker der vieldiskutierten und hochemotionalen Pläne zu den Schulschliessungen in Tarasp und Ftan. Seine Wahl dürfte ein weiteres Signal der Wählerschaft an die amtierende Behörde sein.

Kommissionen und Schulrat stehen

Weniger dramatisch verliefen die Wahlen in die übrigen Gremien. In der Geschäftsprüfungskommission (GPK) kommt es zu einer starken Erneuerung mit vier neuen Gesichtern: Thomas Lampert (755 Stimmen), Gian Reto Fedi (652 Stimmen), Tiziano Castellani (606 Stimmen) und Gudench Bischoff (605 Stimmen) nehmen neu Einsitz. Einzig Katharina Gericke (482 Stimmen) verbleibt als Bisherige im Gremium.

Der Schulrat wurde derweil fast nahtlos im Amt bestätigt oder strategisch ergänzt. Niculin Caviezel (Scuol), Jan Sedlacek (Sent), Simone Stähli (Tarasp) und Flavia Loher (Ftan) wurden wiedergewählt, während Simon Könz (Guarda) das Gremium neu ergänzt.

Wie weiter im Präsidium?

Nach diesem turbulenten Wahlsonntag richten sich nun alle Augen auf den Sonntag, 15. November 2026. Dann findet der entscheidende zweite Wahlgang für das Gemeindepräsidium statt. Für Aita Zanetti und die politischen Kräfte in Scuol dürften die kommenden Wochen von intensiven Gesprächen und strategischen Weichenstellungen geprägt sein.

Weiterführendes

Resultats elecziuns cumünalas pella perioda d’uffizi 2027-2030

(pd, ki, rm)

Admin

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