Sicher über Stock und Stein

Sicher über Stock und Stein

Die Beziehung zwischen Menschen und Hund ist etwas Besonderes – das weiss auch Pauli Albin aus Disentis. Ihm bietet der Hund Sicherheit, eine enge Verbindung und soziale Momente.

Gleichzeitig verpflichtet er aber auch und durch die gegenseitige Fürsorge entsteht eine tiefe Kameradschaft. „Es ist unbezahlbar einen Blindenhund zu haben“, sagt der Disentiser.

Seit sechs Monaten begleitet ihn Leo, ein Labrador von Blindenhunde Liestal im Alltag und auf seinen Spaziergängen in der Umgebung. „Es ist nicht in Worten fassbar, was Leo für mich leistet“, erzählt Pauli Albin weiter. Er konnte 38 Jahre sehen und kennt seine Umgebung auch aus der Zeit, bevor er erblindete. Das gibt ihm auf bekannten Wegen zusätzliche Sicherheit. Der Blindenhund Leo ermöglicht ihm heute Orientierung auf seinen Wegen, auch in der Natur und im Winter, bei Glatteis und Schnee.

Für das Gehen mit einem Langstock braucht es Leitsysteme, taktile und visuell kontrastreiche Markierungen am Boden. Doch der Blindenhund läuft über Stock und Stein und braucht keine Leitlinie. Er hat verinnerlicht, dass das Tragen des Führgeschirrs «Arbeitsmodus» bedeutet.

In diesem Modus ist Leo‘s stärkster Antrieb die Zusammenarbeit mit Pauli Albin. Der Labrador führt seinen Blindenhund Halter sogar auf schmalen Wegen durch den Wald. Es hat dort viele Steine und einen steilen Abgrund und Pauli Albin muss mit einer speziellen Verlängerung der Leine hinter dem Hund gehen. Gewöhnlich läuft er am Führgeschirr neben seinem Blindenhund. Sie gehen oft bis zum Lawinendamm mehrere Meter hoch, um dann auf der letzten Etappe das tiefergelegene Dorf wieder zu erreichen. „Es ist Wahnsinn, was der Hund leistet, wenn er Freude hat.“ Pauli Albin‘s Wertschätzung für den Hund und die InstruktorInnen der Blindenschule Liestal ist immens.

Für die Ausbildung zum Blindenführhund eignen sich nur wesensfeste, friedfertige und nervenstarke Tiere. Nach der Auswahl von geeigneten Welpen braucht es etwa zwei Jahre sorgfältige Aufzucht und konsequentes Training bis ein Blindenhund nach der Schulung passender KilentInnen eine Prüfung ablegt und übergeben werden kann. Die Erfolgsquote bei der Ausbildung von Blindenhunden liegt bei 50 bis 60% und weitere 10 bis 20% können als Vertrauenshunde ausgebildet werden. Das ist eine hohe Erfolgsquote für Hunde und ein absolutes Qualitätsmerkmal von Blindenhunde Liestal. Der Verein kümmert sich um das „Hund-Mensch Team“ bis zur Pensionierung des Hundes.

Der Einsatz von Blindenhunden lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. In Anerkennung jahrhundertelanger Dienste und Partnerschaft wird jedes Jahr am letzten Mittwoch im April der Internationale Blindenhundetag gefeiert. Der Internationale Tag der Blindenführhunde am 29. April 2026 würdigt den aussergewöhnlichen Beitrag dieser hervorragend ausgebildeten Hunde sowie den tiefgreifenden Einfluss, den sie auf das Leben ihrer sehbehinderten und blinden Menschen haben. Blindenhunde bieten über die wesentliche Unterstützung der Mobilität hinaus auch Kameradschaft, Selbstvertrauen und emotionale Sicherheit.

Um diese einzigartige Zusammenarbeit zu ermöglichen, bedarf es hohen Qualitätsstandards in der Ausbildung, im Tierschutz sowie die lebenslange Verantwortung für die Mensch-Hund Beziehung. Die Sicherheit und das Wohl von Menschen und Hund gehen bei Blindenhund Liestal immer vor Wirtschaftlichkeit. Blindenhunde sind zwar von der IV anerkannt, diese Beiträge decken aber die Kosten bei weitem nicht. Freiwilligenarbeit, Spenden und Legate bilden daher das absolute Fundament für die erfolgreiche Ausbildung der Blindenhunde. Weitere Informationen sind auf der Webseite www.Blindenhund.ch abrufbar.

(pd, rm)
(Foto: zVg)

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