Mikrospeicherseen in Graubünden: Potential und Herausforderungen

Mikrospeicherseen in Graubünden: Potential und Herausforderungen

Der Kanton Graubünden sieht sich zunehmend mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert.

Längere Trockenperioden, häufigere Extremniederschläge, steigendes Waldbrandrisiko und Belastungen für Landwirtschaft, Tourismus und Biodiversität.

Mikrospeicherseen – künstliche oder naturnahe Rückhalteräume mit einem Speichervolumen unter 100.000 m³ – könnten laut einer Anfrage von Mitte-Großrat Clemens Berther-Beath eine Schlüsselrolle in der Klimaanpassungsstrategie spielen.

Sie könnten Wasserversorgung, Waldbrandprävention, Biodiversität und dezentrale Energiespeicherung fördern, etwa in Kombination mit Photovoltaik oder Kleinwasserkraftwerken, und so das Regierungsziel 8 „Green Deal – Klima, Energie und Naturgefahren“ unterstützen.

Zur Anfrage Berther äußert sich aktuell die Bündner Regierung.

Potentialabschätzung

Die Regierung stuft das Potential von Mikrospeicherseen als begrenzt ein. Mehrfachnutzungen, etwa als Löschwasser-, Trinkwasser- oder Energiespeicher, sind aufgrund unterschiedlicher Anforderungen an Standort, Verfügbarkeit und Infrastruktur schwierig.

Die speicherbare Energiemenge bleibt im Vergleich zu großen Pumpspeicherkraftwerken gering und ist kaum wirtschaftlich.

Energie- und Klimaplanung

Mikrospeicherseen spielen in der aktuellen kantonalen Energie- und Klimaplanung keine zentrale Rolle. Für die Energiespeicherung gelten stationäre Batterien oder große Pumpspeicherkraftwerke als effizienter.

Offene Becken sind aufgrund hoher Verdunstungsverluste für die Wasserspeicherung während Trockenperioden weniger geeignet, da Grundwasser und Böden hier bevorzugt werden.

Regulatorische und finanzielle Rahmenbedingungen

Eine systematische Förderung von Mikrospeicherseen wird von der Regierung nicht angestrebt, da sie nicht allen genannten Zwecken gleichermaßen dienen und neue Konflikte verursachen könnten. Es gibt keine spezifischen Förderprogramme auf kantonaler oder Bundesebene, jedoch beteiligt sich das Bundesamt für Landwirtschaft an einem Projekt in Basel-Land und Luzern, das hydrotechnische Maßnahmen wie Retentionsbecken für die Landwirtschaft untersucht.

Schutzwald und Risikomanagement

Das Amt für Wald und Naturgefahren fördert risikobasierte Löschwasserbecken (ca. 250 m³) im Rahmen des Konzepts „Waldbrandprävention 2030“. Eine Mehrfachnutzung dieser Becken wird ausgeschlossen, da im Ernstfall das Löschwasser fehlen könnte. Die geringen Speichermengen eignen sich nicht für andere Zwecke.

Strategische Umsetzung und Pilotprojekte

Im Rahmen des Projekts „Klimaneutrale Landwirtschaft“ wird die Realisierbarkeit von Kleinrückhalteseen geprüft. Zudem sollen im Regierungsprogramm 2025–2028 (Entwicklungsschwerpunkt 7.2) Möglichkeiten für ein integriertes Wassermanagement in Einzugsgebieten untersucht werden, bei dem Mikrospeicherseen eine Rolle spielen könnten, einschließlich ihres Potentials für dezentrale Energiespeicherung.

Fazit

Während Mikrospeicherseen theoretisch vielseitige Vorteile bieten, sieht die Regierung aufgrund technischer, wirtschaftlicher und praktischer Einschränkungen nur begrenztes Potential. Dennoch könnten Pilotprojekte und eine integrierte Planung zukünftig Synergien zwischen Wassermanagement, Energieversorgung und Klimaschutz schaffen.

Admin

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