Graubünden handelt: Biodiversitätsstrategie zeigt Wirkung im ganzen Kanton

Graubünden handelt: Biodiversitätsstrategie zeigt Wirkung im ganzen Kanton

Verwaldung und Vergandung anstatt Waldsterben, das angeblich, wenn man Lehrern in den 80-er-Jahren glauben schenkte als Schüler, dazu führen würde, daß es „wenn ihr groß seid, keine Bäume mehr gibt“. Verschwörungserzählungen gab es damals, daß es sowas wie das Waldsterben gar nicht geben würde. Doch Leute wie der Initiant der Zweitwohnungsinitiative, notabene eine Fünftwohnungsbesitzer, Franz Weber, trommelten die Panik vor dem Verlust des Waldes. Es sei 5 vor 12 und bald schon zu spät. 

Nun kämpfen die gleichen Umweltorganisationen, die gegen das Waldsterben kämpften, gegen Verwaldung. Die Biodiversität ist das neue Maß. Also weniger Wald, mehr Trockenwiesen, Trockenmauern usw. usf.

Ein Jahr nach dem Start der Umsetzung zeigt die Biodiversitätsstrategie Graubünden konkrete Wirkung freut sich der Kanton Graubünden. Im ganzen Kanton entstehen Projekte, Lebensräume werden aufgewertet und neue Partnerschaften aufgebaut. Die Strategie wird getragen von einem breiten Netzwerk engagierter Akteure, die Eigenverantwortung übernehmen und gemeinsam das Naturkapital des Kantons stärken. Nicht mehr Wald ist das Naturkapital, sondern weniger Wald ist neu das „Naturkapital“:

Ein Jahr nach dem offiziellen Start der Umsetzung zieht der Kanton Graubünden eine erste Bilanz: Die Biodiversitätsstrategie hat 2025 Fahrt aufgenommen. «Wir stehen nicht mehr in der Planungsphase, sondern mitten in der Umsetzung – mit sichtbaren Projekten in Regionen und Gemeinden», sagt Remo Fehr, Leiter des federführenden Amts für Natur und Umwelt.

Konkrete Resultate im ersten Jahr
Der heute präsentierte Jahresbericht zeigt: 26 von 28 Maßnahmen sind gestartet, zwei weitere in Vorbereitung. Die präsentierten Beispiele reichen vom Misox, wo neue Weiher seltenen Amphibien wieder Lebensraum geben, bis zum Glaspaß, wo ein Moor gezielt regeneriert und dessen Bewirtschaftung vereinfacht wird. Auch die Pflege artenreicher Trockenwiesen, die Eindämmung invasiver Pflanzenarten sowie die neu geschaffene Verfügbarkeit von gebietseigenem Saatgut in sieben Teilregionen verdeutlichen: Wirkung entsteht dort, wo konkret gearbeitet wird.

Für Projektleiter Luis Lietha ist entscheidend, was hinter diesen Zahlen steht: «Die Biodiversitätsstrategie ist kein Papiertiger, sondern ein wachsendes Netzwerk von Menschen und Projekten, die Graubündens Naturkapital Schritt für Schritt stärken.» Beispielsweise beteiligen sich 30 Landwirtschaftsbetriebe am Pilotprojekt «Biodiversitätsbetriebe».

Gemeinsam für das Naturkapital
Entscheidend für den Erfolg ist die Zusammenarbeit über Sektoren hinweg. Kantonale Fachstellen, Gemeinden, Landwirtschaft, Tourismus, Wirtschaft und engagierte Menschen vor Ort vernetzen ihr Wissen und bündeln ihre Kräfte zunehmend. Regierungsrat Jon Domenic Parolini betont die grundsätzliche Bedeutung dieses Ansatzes mit dem Wort „Naturkapital“: «Biodiversität ist Naturkapital – ebenso real wie Straßen oder Schulen. Wer heute sorgsam damit umgeht, sichert den nächsten Bündner Generationen die Möglichkeit, mit den Auswirkungen des Klimawandels und anderen Veränderungen besser umzugehen.»

Diese Perspektive prägt den «Bündner Weg»: Lösungen werden gemeinsam entwickelt, breit abgestützt und praxisnah umgesetzt. Gerade das Pilotprojekt Biodiversitätsbetriebe in der Landwirtschaft sowie das Projekt gegen die Vergandung zeigen, dass Kooperation und Eigenverantwortung zentrale Hebel sind. Auch für Remo Fehr sei klar, worauf es ankommt, so die Staatskanzlei: «Je komplexer die Herausforderungen werden, desto wichtiger ist es, daß wir uns auf das Machbare konzentrieren – und dieses gemeinsam tun.»

Vom Aufbau zur Verankerung
Das erste Jahr war geprägt vom Aufbau: Zuständigkeiten klären, Abläufe etablieren, Projekte starten. Gleichzeitig zeigte sich, wie viel entsteht, wenn unterschiedliche Fachbereiche zusammenarbeiten. «2025 erinnerte in vielem an ein Start-up», so Lietha auf Denglisch. «Vieles geschieht unspektakulär im Hintergrund, aber genau das ermöglicht, daß Projekte überhaupt Wirkung entfalten.» Die begonnenen Maßnahmen werden nun konsolidiert und weitere Projekte gestartet. Ziel sei es, das Zusammenspiel aller Beteiligten weiter zu stärken und die Eigenverantwortung aller für die Biodiversität noch besser zu verankern.

«Die Biodiversitätsstrategie ist kein Endpunkt», so Regierungsrat Parolini. «Sie ist eine Einladung, die Zukunft unseres Naturkapitals gemeinsam in die Hand zu nehmen.» Der Jahresbericht zeigt: Graubünden ist auf diesem Weg gut unterwegs. Die Grundlagen sind gelegt, erste Resultate sichtbar. Jetzt geht es darum, dranzubleiben – gemeinsam Schritt für Schritt.

Weitere Informationen:

(pd, rm)
(Fotos: Peter Grischott)

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