Damit Kinder nicht im Schatten der Sucht bleiben: Kinder aus suchtbelasteten Familien erhalten in Chur Unterstützung

Damit Kinder nicht im Schatten der Sucht bleiben: Kinder aus suchtbelasteten Familien erhalten in Chur Unterstützung

Ob Alkohol, Drogen, Medikamente oder Glücksspiel: Wenn Sucht den Familienalltag bestimmt, leiden Kinder oft im Stillen. Das Projekt «Licht an» in Chur gibt Betroffenen Halt und bietet ihnen konkrete Hilfe. Der Coop-Regionalrat Ostschweiz unterstützt das einzigartige Angebot mit einer Spende von 7.000 Franken.

Mal ist der Vater alkoholabhängig, mal die Mutter tablettensüchtig, mal schnupft der Bruder regelmäßig Kokain: Schätzungsweise 100.000 Kinder in der Schweiz wachsen in suchtbelasteten Familien auf. Für erwachsene Angehörige von Suchtkranken gibt es verschiedene Hilfsangebote. Für Kinder und Jugendliche hingegen fehlen solche fast komplett, sagt Margreth Meier (60), Suchtexpertin im Ambulatorium Neumühle in Chur. Das Bedürfnis nach Hilfe ist da. Aber diese Kinder bleiben oft unsichtbar und fallen durch das Raster.

Diese Lücke wollte Tamara Warren (49) schließen. Die schulische Heilpädagogin kennt aus eigener Erfahrung, wie sehr eine Suchterkrankung eine Familie belasten kann.

Deshalb gründete sie im August 2025 das Projekt «Licht an». Seither treffen sich in Chur einmal im Monat bis zu sechs Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien – begleitet von Fachleuten. Während drei Stunden wird geredet, gespielt und kreativ gearbeitet, zum Abschluß gemeinsam gekocht und Zmittag gegessen.

«Lichtschalter» für den Alltag

«Hier können die Kinder aus ihrem Alltag herauskommen, auftanken und einfach sie selbst sein – ganz ohne Druck», erklärt Tamara Warren. Die Treffen sind spielerisch aufgebaut und greifen Aspekte auf, die sich auf den eigenen Alltag übertragen lassen. Kürzlich beschäftigte sich die Gruppe zum Beispiel mit einer Knospe: Was braucht sie, um aufzublühen? Und was brauche ich selbst, damit es mir gut geht?

Gleichzeitig lernen die Teilnehmer konkrete Bewältigungsstrategien kennen, sogenannte «Lichtschalter» für schwierige Situationen im Alltag. «Für mich waren und sind diese Treffen äußerst wichtig», sagt Marlen* (16). «Vor allem der Austausch mit anderen Betroffenen hat mir sehr geholfen: Ich war plötzlich nicht mehr allein mit meinen Problemen.» Zudem habe sie dank der Fachleute gelernt, Sucht als Krankheit besser zu verstehen.

Heute kennt sie auch die richtigen Anlaufstellen, wenn eine Situation zu Hause eskaliert oder unerträglich wird. Und eine Botschaft möchte sie anderen Betroffenen unbedingt mitgeben: «Es ist völlig okay, sich Hilfe zu holen – und sogar enorm wichtig.»

Problematik sichtbar machen

Ängste, Schuldgefühle und Scham seien ständige Begleiter, erzählt die 16-Jährige. Fast alles spiele sich daheim im Verborgenen ab. Tamara Warren ergänzt: «Viele dieser Kinder übernehmen früh Verantwortung und Aufgaben des suchtkranken Familienmitglieds – für sie ist dieser Alltag schlicht Normalität.»

Das Verborgene sichtbar zu machen, war auch das Ziel einer Ausstellung im Rahmen der nationalen Aktionstage für Kinder aus suchtbelasteten Familien im vergangenen März in der Churer Stadtgalerie. Mit Kunstwerken und interaktiven Installationen gaben die Kinder Einblicke in ihre Lebenswelt.

Die Besucher mußten etwa einen Ziegelstein durch die Ausstellung tragen – als Symbol für die Last, die Betroffene mit sich herumtragen. «Es hat mich berührt, wie emotional die Menschen reagiert haben und was wir bewirken konnten», sagt Marlen. Die Aussagen der Kinder hätten manche zu Tränen gerührt.

Margreth Meier fügt an: «Es ist wichtig, dieses Tabuthema ans Licht zu bringen – aber auf eine positive Art.» Darum soll die Ausstellung im Frühling 2027 erneut stattfinden.

7.000 Franken für Essen und Material

Noch finanziert sich «Licht an» einzig über Spenden und Unterstützungsbeiträge. Der Coop-Regionalrat hilft dem Projekt mit Geschenkkarten im Wert von 7.000 Franken. Damit können Lebensmittel für die gemeinsamen Mittagessen sowie Bastel- und Werkmaterial für die Treffen gekauft werden.

Tamara Warren betont: «Diese Unterstützung ist sehr wertvoll für den Fortbestand des Angebots, das wir jetzt noch breiter bekanntmachen möchten.»

Mittelfristig ist das Ziel, daß über einen Leistungsauftrag von Stadt oder Kanton die Finanzierung des Projekts gesichert ist: Ein entsprechender Antrag wurde eingereicht. Bis dahin bleibt «Licht an» auf Spenden angewiesen.

Deshalb war für Coop-Regionalrat Roberto Godenzi (68) klar: «Wenn ein Elternteil oder Geschwister suchtkrank ist, ist das für die ganze Familie enorm belastend. Diesen Kindern eine Anlaufstelle zu bieten, ist dringend nötig. Da bieten wir gerne Hand.»

Probleme, Fragen, Not: 147 hilft – rund um die Uhr

Ob bei Sorgen, Streß, Angst, Gewalt, Sucht oder Problemen: Pro Juventute bietet Kindern und Jugendlichen eine kostenlose und vertrauliche Beratung an. Die Fachleute sind jederzeit an 365 Tagen im Jahr erreichbar – per Telefon (Nummer 147), über WhatsApp, E-Mail oder über den Chat auf der Homepage.

Der Anruf oder Kontakt ist gratis und bleibt vertraulich. www.147.ch

Coop-Regionalrat Ostschweiz: Über 50.000 Franken pro Jahr für gute Zwecke

Coop setzt sich seit über 160 Jahren für ihre Genossenschafter ein und nimmt ihre Verantwortung in der Gesellschaft wahr. Dabei wird die Detailhändlerin vom Coop-Regionalrat unterstützt. Aus dessen Fonds werden Institutionen und Projekte gefördert, die sich für nachhaltige, soziale und gemeinnützige Zwecke einsetzen.

Allein im Jahr 2025 sprach der Coop-Regionalrat Ostschweiz Beiträge in der Gesamthöhe von über 50.00

(pd, rm)

Admin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert