Bußen-Irrsinn bei der Rhätischen Bahn
Ein Meinungs- und Erlebnisbeitrag von Remo Maßat
Wer viel mit der Bahn fährt, erlebt immer wieder mal Zugausfälle, Verspätungen oder auch Bahnersatz, etwa seit Jahrzehnten auf der Strecke Chur – Thusis, wo gerade abends, wenn man erschöpft nach hause fährt man dann noch auf einen Bus umsteigen muß ohne WC und oft mit viel Gepäck, weil man nach den Terminen noch die Einkäufe gemacht hatte.
Doch man muß es hinnehmen, erhält nichtmal eine Entschädigung.
Wie die Rhätische Bahn ihre Kunden kriminalisiert
Die Rhätische Bahn kann bei Pünktlichkeit auch sehr genau sein. Wenn es um die der Fahrgäste geht. Bei dem hier Schreibenden, der letztes Jahr 30 Tageskarten in Form eines Ausflugsabos gekauft hatte (ein Angebot, das es nicht mehr gibt), wurde ausgerechnet die letzte Tageskarte 1 Minute zu spät gelöst.
Prompt stellten Kontrolleure dies fest, daß ich mich nicht rechtzeitig auf SwissPass.ch einloggen konnte (manchmal lädt die Seite nicht, dies ausweislich Bildschirmfotobeweisen). Hätte der Zug – wie so oft – eine Minute Verspätung gehabt, was wäre dann gewesen?
Man kann noch verstehen, wenn Kontrolleure bei jemand, der vielleicht eine Reise nach Chur gelöst hätte, also nur 20 Minuten fährt, gebüßt wird wegen so einer Minute. Und die Kontrolleure gleich gekommen wären kurz danach. Dann hätte man unterstellen können, daß der Fahrgast überrascht wurde und eigentlich schwarz fahren wollte.
Spaß am Büßen anstatt Vernunft, Kundenfreundlichkeit und Augenmaß
Doch wer eine Tageskarte löst, fährt nicht nur eine kurze Strecke, sondern wie der Name ja schon sagt, den ganzen Tag oder einen erheblichen Teil des Tages, sonst bräuchte er keine Tageskarte lösen.
Es ist also – man kann dies nicht anders schreiben- bösartig, Leute genußvoll zu büßen, weil sie 1 Minute nachdem der Zug losgefahren war erst die Tageskarte aktivieren konnten. Das ergibt aus oben genannten Gründen keinen Sinn.
Zumal auch nicht bei jemand, der ausweislich der Buchhaltung und der zahllosen Billette / Tageskarten an rund 100 Tagen von 365 Tagen als Journalist in der Schweiz unterwegs ist.
Sowas würde kein anderer Betrieb machen
Aber der büßende Kontrolleur schien richtig Freude daran zu haben, wie der Gebüßte sich über die Buße ärgerte und äußerte, das sei eine Kriminalisierung von Fahrgästen.
Kein Betrieb der Privatwirtschaft würde einen Gast, der zum Beispiel 100x im Jahr zum Essen kommt, büßen, wenn dieser 1x von 100x im Jahr eine Rechnung eine Minute zu spät bezahlt. Irre, was die RhB dort macht mit ihren Kunden.
(rm)

