Große Erleichtung bei den Einwohnern: Risikobär M13 erlegt

Große Erleichtung bei den Einwohnern: Risikobär M13 erlegt

Mit dem falschen Argument, der Bär sei ja schon früher (bevor der Mensch kam) dagewesen, ja mit diesem Argument könnte man auch wieder Dinosaurier in den Alpen ansiedeln, wenn die Gentechnik dies eines Tages möglich machen sollte.

M13 ist tot, die bestroffene Bevölkerung erleichtert. (Archivfoto: Pelz24.ch)
M13 ist tot, die bestroffene Bevölkerung erleichtert. (Archivfoto: Pelz24.ch)

Passen Bären nach Graubünden? Komischerweise sagen alle ja, die selbst keine Ahnung haben. Und nur die, die in den betroffenen Gebieten wohnen, nein.

Doch ein leibhaftiger Bär ist nunmal kein Kuscheltier. Immer wieder näherte er sich Menschen:

Bär M13 jagte zuletzt dem 14jährigen Mädchen E.P. (14) am Samstag einen derartigen Schrecken ein, daß sie bewußtlos wurde.

Und im Anschluß mit einem Schock ins Spital gebracht werden mußte.

Seit ihrem ungewollten Zusammentreffen mit dem Großraubtier ganz bei ihrem Wohnort, im puschlaver Weiler Miralago hat das Mädchen Angst, das Haus zu verlassen.

Einer Spaziergängerin näherte sich M13 ebenfalls. Die Frau versuchte sich, mit dem Spazierstock zu wehren. Wobei es sich hier nur um einige wenige von vielen weiteren Beispielen handelt.

Der Bündner Jagdinspektor Georg Brosi unterstrich erwähnte denn auch Ereignisse, von denen die Öffentlichkeit bisher nichts wußte.

So soll M13 im Unterengadin vor den Augen von Angestellten eines Landwirtschaftsbetriebes zwei Ziegen gerissen und von einer Terrasse aus in eine Wohnstube gespäht haben, zum Schrecken des Hausbewohners, der gerade Fernsehen schaute.

Zumindest ein Bär, der überhaupt gar keine Scheu vor Menschen zeigte, ist nun kein Angstgrund mehr, wenn es allerding auch noch andere Bären hat: Am Morgen des 19. Februar 2013 wurde im Puschlav der Bär M13 erlegt.
Der junge Wildbär war zum Sicherheitsrisiko für Menschen geworden, weil er systematisch in Siedlungen nach Nahrung suchte, Menschen am Tag folgte.

Und trotz wiederholten Vertreibungsaktionen auch nach dem Winterschlaf keine Scheu zeigte. Der Abschuß erfolgte gestützt auf das Konzept Bär Schweiz. Der Bär M13 striff seit dem Frühling 2012 im Kanton Graubünden, vor allem im Puschlav, umher. Er kam immer wieder in Dörfer und Siedlungen und zeigte keinerlei Scheu gegenüber Personen. Nachdem er auf der Suche nach Nahrung ab anfangs Oktober vermehrt in geschlossene Wohngebiete im Puschlav eingedrungen war und Schäden in direkter Nähe von bewohnten Häusern bzw. bei einem Schulhaus gemacht hatte, wurde er im November 2012 als Problembär eingestuft und noch intensiver beobachtet.

Am 12. und 13. November drang M13 zwei Nächte nacheinander in den Nebenraum eines bewohnten Weilers ein, um dort die Vorräte zu fressen. Kurz darauf verschwand der männliche Jungbär und machte oberhalb von Poschiavo Winterschlaf. Nach dem Aufwachen kam er erneut in die Nähe von Menschen, nun sogar bei Tag, und er reagierte kaum noch auf die Vergrämungen der Wildhut.

Der Bär verhielt sich zwar nie aggressiv gegenüber Menschen. Jedoch wurde das Risiko eines Unfalls, bei dem ein Mensch ernstlich verletzt oder gar getötet wird, unverantwortbar groß. Die zuständigen Stellen bei Bund und Kanton sahen keine Möglichkeit mehr, das Verhalten des Bären noch beeinflussen zu können.

Damit wurde M13 gemäß Konzept Bär Schweiz zum „Risikobär“, der erlegt werden mußte. Das Konzept sieht vor, daß ein Bär entfernt werden soll, wenn er die Scheu vor Menschen verloren hat, sich wiederholt in geschlossenes Siedlungsgebiet begibt und trotz wiederholter Vergrämungen sein Meidungsverhalten offensichtlich nicht vergrößert.

M13 wurde am Morgen des 19. Februar 2013 im Puschlav abgeschossen. Der Kadaver wird nun im Kanton Graubünden untersucht.

Vergrämungen zeigten keine Wirkung
Die verantwortlichen Behörden hatten immer wieder versucht, dem Bären mehr Scheu einzuflößen. Sie beschossen ihn systematisch in so genannten Vergrämungsaktionen etliche male mit Gummischrot und Knallpetarden und versuchten, ihn mit allen Mitteln aus den Dörfern, Siedlungen oder Weilern zu vertreiben. Ziel der Vergrämungen war, das Verhalten von M13 so zu ändern, daß er wieder scheuer würde und den Menschen und Siedlungen zu meiden lernte.

Die verantwortlichen Behörden gehen davon aus, daß M13 das problematische Verhalten bereits im Trentino angenommen hat, als er, statt den Winterschlaf zu machen, in den Siedlungen Nahrung suchte und fand. Da er von Anfang an wenig Scheu zeigte und ein neugieriger Bär war, wurde er bereits im Oktober 2011 im Trentino und danach im Juni 2012 nach eine Zusammenstoß mit einem Zug der Rhätischen Bahn in der Nähe von Schuls (Rhätoromanisch: Scuol) mit einem neuen Senderhalsband versehen. So konnten seine Wanderungen überwacht und die Vergrämungsaktionen besser geplant werden.

Vor dem Entscheid zum Entfernen des Bären haben Gespräche mit den italienischen Behörden stattgefunden. Die italienischen Vertreter zeigten Verständniß für die Situation der Schweiz. Die verantwortlichen Behörden beider Länder kamen zum Schluß, daß der Einfang und die Haltung von M13 in einem Gehege keine Optionen sind. Aus tierethischer Sicht ist es fragwürdig, einen wilden Bären in einem Gehege einzusperren. Konsequenterweise sieht deshalb das Konzept Bär Schweiz für einen Risikobären den Abschuß vor.

Weitere Bären werden einwandern
Im Kanton Graubünden sind seit 2005 immer wieder Bären unterwegs. Sie stammen aus der Bären-Population im Trentino, die zurzeit aus rund 40 Individuen besteht.

Es ist absehbar, daß weitere Bären in die Schweiz einwandern werden, da sie hier durchaus Lebensraum finden können. Allerdings müssen in Regionen mit dauernder Bärenpräsenz Präventionsmaßnahmen getroffen werden.

So müssen etwa bei Nutztieren Herdenschutzmaßnahmen ergriffen werden, und Bienenhäuser müssen elektrisch eingezäunt werden. Die Gemeinden haben sodann Abfallkontainer zu sichern, und die Bevölkerung muß ihren Umgang mit organischem Müll anpassen. Im Münstertal wurden solche Maßnahmen erfolgreich umgesetzt, indem dadurch Bären von Siedlungen ferngehalten werden konnten.

Im Umgang mit den einwandernden Bären stehen die Behörden in einem Zielkonflikt zwischen Bären-Individuum und Bären-Population. Um der ganzen Population die Chance zu bieten, allenfalls in der Schweiz Lebensraum zu finden, muß unter Umständen ein Individuum, das zum Risiko wird, leider entfernt werden.

Verfahren zum Entscheid über den Abschuß des Bären
Die zuständige Interkantonale Kommission der betroffenen Region (IKK) beurteilt die Situation fachlich aufgrund des Konzepts Bär Schweiz. Im aktuellen Fall besteht die IKK aus dem Leiter des Amts für Jagd und Fischerei des Kantons Graubünden sowie dem Sektionschef Jagd, Fischerei, Waldbiodiversität des Bundesamts für Umwelt BAFU. Die IKK gibt gegenüber dem zuständigen Regierungsrat des betroffenen Kantons eine Empfehlung ab. Dieser entscheidet dann gestützt auf die maßgebliche Gesetzgebung des Bundes und des Kantons abschließend darüber, ob eine Abschußbewilligung ausgestellt wird oder nicht.

Admin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert