Aufwändige Studie: Bündner Bevölkerung besonders sport-begeistert

Aufwändige Studie: Bündner Bevölkerung besonders sport-begeistert

Graubünden ist im schweizerischen Vergleich weiterhin überdurchschnittlich sportlich.

Bündner sind aber nicht nur selbst sehr vielseitig aktiv, sondern haben auch eine positive Grundeinstellung gegenüber dem Sport und sind bereit, in den Sport zu investieren.

Das zeigt die Studie „Sport in Graubünden 2014“.

Bündner sind überdurchschnittlisch sportbegeistert, ausgenommen junge Ausländerinnen
Bündner sind überdurchschnittlisch sportbegeistert, ausgenommen junge Ausländerinnen (Bild: GR24.ch)

Nach 2008 wurde mit Steuergeldern in diesem Jahr zum zweiten mal als Teil der nationalen Studie „Sport Schweiz 2014“ auch das Sportverhalten der Bündner Bevölkerung untersucht.

Im Auftrag von Graubünden-Sport, der Abteilung Sport des Amtes für Volksschule und Sport, sind in Graubünden 805 Personen befragt worden.

Die Telefon- und Digitalbefragung bildet eine repräsentative Stichprobe der Wohnbevölkerung zwischen 15 und 74 Jahren. Die nationale Studie wurde vom Bundesamt für Sport gemeinsam mit Swiss Olympic, der Suva, der Beratungsstelle für Unfallverhütung sowie dem Bundesamt für Statistik koordiniert und finanziert. Zusätzlich haben sich mehrere Kantone und Städte sowie weitere Partner daran beteiligt.

Den Zugang zum Sport fördern
Gemäß Regierungsrat Martin Jäger, Vorsteher des Erziehungs-, Kultur- und Umweltschutzdepartementes Graubünden, ist es Ziel der Studie, ein differenziertes Bild der Sportlandschaft zu zeichnen und auch eine zuverlässige Grundlage für sportpolitische Entscheide zu haben. Der Kanton sehe es als seine Aufgabe, Brücken zu schlagen, um die Bevölkerung zum Sporttreiben zu motivieren. Die große Mehrheit der Bevölkerung habe einen Bezug zum Sport und nutze gerade auch die Natur als Sportarena.

Der Anteil an sehr aktiven Sportlern ist laut Studie mit 50 Prozent der Bevölkerung höher, der Anteil an Nichtsportlern mit 22 Prozent nach wie vor leicht tiefer als in der Gesamtschweiz. Obwohl Bündner im schweizerischen Vergleich also überdurchschnittlich sportlich sind, gebe es einen wachsenden Anteil an Nichtsportlern, den man im Auge behalten müsse. „Es braucht neben Eigeninitiative auch gezielte Sportförderung, indem der Zugang zum Sport z.B. via Schulsport, noch besser auf die Bedürfnisse auch der weniger sportbegeisterten Kinder und Jugendlichen ausgerichtet wird. Das neue Bündner Sportförderungsgesetz mit den zwei Schwerpunkten freiwilliger Schulsport und Talentförderung zielt damit in die richtige Richtung“, so Regierungsrat Martin Jäger.

Helvetischer Mehrkampf
Studienautor Markus Lamprecht vom Observatorium Sport und Bewegung erklärte: „In Graubünden sind Wandern, Skifahren, Radfahren, Schwimmen und Jogging die beliebtesten Sportarten. Der sogenannte ‚helvetische Mehrkampf‘ gehört aber auch schweizweit zu den Top-Sportarten.“ Im Vergleich zu 2008 sind Wandern, Skifahren und Fitneßtraining noch populärer geworden. Bündner haben also eine Vorliebe für Außen- und Bergsportarten in der Naturarena Graubünden. Der größte Unterschied zur Gesamtschweiz findet sich beim Skifahren, Skilanglauf und Wandern:

Der Anteil der Bevölkerung, der Skifährt, ist in Graubünden um 11 Prozentpunkte höher als in der Gesamtschweiz, beim Skilanglauf 9 und beim Wandern 6 Prozent. Im Skilanglauf ist zudem offensichtlich ein „Cologna-Effekt“ zu beobachten, ist doch das nordische Skilaufen auf Rang 1 der Wunschsportarten vorgerückt. 44 Prozent der Bündner sind ausschließlich Individualsportler – 5 Prozent mehr als im schweizerischen Durchschnitt. Sportvereine spielen in Graubünden jedoch nach wie vor eine wichtige Rolle: Ein Viertel der Bevölkerung macht aktiv in einem Verein mit – 2008 waren es noch 29 Prozent.

Die Frauen sind in Graubünden fast genauso sportlich wie die Männer. Je höher die Bildung und das Haushaltseinkommen, desto höher die Sportaktivität.

Ausländer, besonders junge Ausländerinnen treiben wenig Sport

In Graubünden lebende Ausländer, insbesondere junge Frauen, treiben deutlich weniger Sport, so die Studie.

Während Bündner Frauen in jungen Jahren vergleichsweise weniger sportlich sind, nimmt der Anteil an sehr Aktiven bis 59 Jahre zu.

(Anm. d. Red.: Ob hier Ausländerinnen bei den „Bündner Frauen“ mitgemeint sind und daher diese Statistik so ist, daß junge „Bündnerinnen“ unsportlicher sind, geht aus dem Satz nicht hervor, bzw. wird nicht gesagt.)

Bündnerinnen zwischen 45 und 59 sind denn auch deutlich aktiver als der schweizerische Durchschnitt. Bei den Männern ist es umgekehrt: 70 Prozent der jungen Bündner zwischen 15 und 29 Jahren sind sehr aktive Sportler. Im Verlauf des Lebens nimmt der Aktivitätsgrad der Männer jedoch stetig ab. Insgesamt erweist sich die Bündner Bevölkerung auch noch im Alter von 60 bis 74 Jahren als überaus sportlich.

Sport mit gutem Ansehen in Graubünden

Thierry Jeanneret, Leiter Graubünden-Sport, freut sich über die positive Einstellung der Bündner Bevölkerung zum Sport – selbst bei den Nichtsportlern. Diese seien nämlich zu mehr als der Hälfte keine grundsätzlichen „Sportmuffel“, sondern aufgrund einer temporären Lebenssituation nicht sportlich aktiv. Die von der Bevölkerung mit Sport am meisten assoziierten Begriffe sind Bewegung, Gesundheit, Spaß und Fitneß. Von der Infrastruktur nutzen die Bündner am häufigsten signalisierte Wanderwege, Bergbahnen und Skilifte – damit werde das beliebteste Sportmotiv „draußen sein“ bestätigt. Mit den Sportmöglichkeiten am Wohnort und insbesondere der touristischen Sportinfrastruktur ist die Bündner Bevölkerung mehrheitlich zufrieden.

Bei soviel sportlichem Einsatz erstaunt auch nicht, daß sich die Bündner den Sport mehr kosten lassen als Herr und Frau Schweizer: Die privaten Ausgaben pro Kopf und Jahr sind mit 3056 Franken in Graubünden rund 500 Franken höher. Auch punkto Sportförderung ist eine große Mehrheit der Bündner der Meinung, daß eher mehr als weniger getan werden sollte. Besonders am Herzen liegt ihnen die Nachwuchs-, Kinder- und Jugendsportförderung. Dafür ist die Bevölkerung auch bereit, entsprechende öffentliche Mittel einzusetzen.

Das Wichtigste in Kürze
Draußen in der Natur zu sein, ist der Bündner Bevölkerung beim Sporttreiben besonders wichtig. Bündner sind im schweizerischen Vergleich überdurchschnittlich sportlich: Der Anteil an sehr aktiven Sportlern ist mit 50 Prozent der Bevölkerung höher, der Anteil an Nichtsportlern mit 22 Prozent nach wie vor leicht tiefer als in der Gesamtschweiz. Am beliebtesten sind die Außen-Sportarten Wandern, Skifahren, Radfahren, Schwimmen und Laufen.

Generell hat Sport in Graubünden ein gutes Ansehen, selbst bei den Nichtsportlern. Die Bündner Bevölkerung läßt sich Sport etwas kosten: Die privaten Ausgaben pro Kopf und Jahr sind mit 3056 Franken rund 500 Franken höher als im Schweizer Durchschnitt. Bezüglich Sportförderung sind den Bündnern die Kinder- und Jugendsportförderung besonders wichtig.

Beilage:
Studie „Sport in Graubünden 2014“

Admin

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