Klimawandel in Graubünden: Testpflanzungen zukunftsfähiger Baumarten
Im Mittelalter war es wesentlich wärmer bzw. heißer in Europa, in England wurde Wein angebaut. In der Schweiz wurde noch vor 100 Jahren gebetet, Gott möge vor den Gletschern, die ins Tal kommen, schützen.
Gegenwärtig findet ein moderater Klimawandel in Form einer Klimaerwärmung statt, der aber natürlich Auswirkungen auf die Natur hat.
Der Klimawandel stellt die Waldbewirtschafter vor große Herausforderungen, da sich die Standortbedingungen im Laufe der kommenden Jahrzehnte stark verändern werden.
Welche Baumarten an welchen Standorten die Waldfunktionen auch unter veränderten Bedingungen nachhaltig erfüllen können, wird in den nächsten 30 Jahren in Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL und dem Bundesamt für Umwelt BAFU auch in Graubünden untersucht.
In den kommenden Jahren werden mehrere Tausend Jungbäume gepflanzt und deren Wachstum durch die WSL mitverfolgt und fortlaufend untersucht. Die Resultate können so in die Baumartenempfehlungen im Hinblick auf den Klimawandel einfließen.
Die geschätzten Kosten von 300 000 Franken für die ersten fünf Jahre beinhalten vorbereitende Arbeiten, die Erstellung von Wildschutzzäunen sowie einen regelmäßigen Unterhalt. Sie werden von Bund und Kanton vollumfänglich übernommen. Die Jungpflanzen werden von der WSL zur Verfügung gestellt. Die WSL wiederrum wird von Steuergeldern finanziert.
Die Natur paßt sich an
Unterschiedliche Fähigkeiten durch genetische Auswahl:
Das Nachwachsen junger Bäume in den Wäldern findet heute mehrheitlich auf natürliche Weise durch sogenannte Naturverjüngung statt.
Über Zeiträume von Jahrhunderten findet dadurch eine genetische Auswahl statt, da sich immer nur die am besten den vorherrschenden Umweltbedingungen angepaßten Individuen durchsetzen. So kommt es auch, daß unterschiedliche Bäume derselben Baumart durchaus unterschiedliche Fähigkeiten aufweisen.
Ein Anschauungsbeispiel: Eine Traubeneiche aus der Nordtürkei erträgt einen trockenen und heißen Sommer mit deutlich weniger Problemen als eine Traubeneiche aus dem Churer Rheintal, die in ihrem Leben genügend Niederschlag während der Sommermonate gewohnt war.
Testpflanzungen, um Wuchsverhalten zu untersuchen
Während sich die Standortbedingungen für die Waldbäume in einigen Gebieten nur marginal verändern, zeichnen sich in anderen Gebieten aufgrund der sich verändernden Temperaturen und Niederschläge radikale Wechsel in der Baumartenzusammensetzung der Wälder ab.
Man weiß heute zwar viel über die Verbreitung der einheimischen Baumarten, nicht aber über ihre Toleranz gegenüber schnellen klimatischen Veränderungen.
Es zeichnet sich ab, daß viele Baumarten zukünftig ihr heutiges Verbreitungsgebiet nicht mehr besiedeln können, dafür jedoch neue Gebiete einnehmen werden. Nicht immer aber müssen es andere Baumarten sein, denn auch unsere einheimischen Baumarten verfügen über ein großes Potential, sich anzupassen.
Wo dieses Potential in den vergangenen Jahrhunderten verloren gegangen ist, könnte mit Ergänzungspflanzungen dieser Baumarten aus anderen Regionen Europas nachgeholfen werden.
Weil dazu heute noch zu wenig bekannt ist, entstehen in einem schweizweiten Projekt in den Jahren 2020 bis 2022 insgesamt 57 Testpflanzungen, in welchen 18 verschiedene Baumarten angepflanzt und ihr Wuchsverhalten an heute teilweise noch nicht besiedelten Standorten untersucht werden.
Es werden dabei sowohl einheimische Baumarten (13 Arten), als auch sogenannte Gastbaumarten (5 Arten) gepflanzt. Im Kanton Graubünden werden acht Flächen eingerichtet und untersucht.
Diese wurden aus 20 von den Revierförstern vorgeschlagenen Flächen ausgewählt und befinden sich in den Gemeinden Albula/Alvra (Tgavrouls), Bergün Filisur (God dla Spena), Bregaglia (Dre Mota), Maienfeld (Fuchsenwinkel), Safiental (Brand Gampel), Samedan (Plaun God), Val Müstair (Calcuoir) und Valsot (Vadrain).

Bild oben: Einzelne Pflanzungen sind versuchsweise bereits erfolgt, hier eine Gruppe von jungen Berg-Ahornen.
Weitere Informationen der WSL sind auf der Webseite des Projekts verfügbar.

