Graubünden und Lombardei bauen ihre guten Beziehungen aus
Vertreter der Regierungen und Parlamente des Kantons Graubünden sowie der italienischen Region Lombardei haben sich heute in Le Prese (Poschiavo) zu einem Arbeitsgespräch getroffen. Bei der ersten Zusammenkunft dieser Art wurde das gute nachbarschaftliche Verhältnis betont. Zudem wurden Möglichkeiten zur verstärkten Zusammenarbeit in Bereichen von gemeinsamem Interesse besprochen.

In Le Prese sind heute zum ersten Mal Delegationen von Regierung und Parlament des Kantons Graubünden und der italienischen Region Lombardei zusammengekommen. Die Bündner Delegation wurde angeführt von Standespräsident Duri Campell, Regierungspräsident Mario Cavigelli und Regierungsrätin Barbara Janom Steiner. Sie durften am Lago di Poschiavo Raffaele Cattaneo, Präsident des Regionalrats Lombardei, sowie Mario Mantovani, Vize-Präsident der Region Lombardei, nebst weiteren hochrangigen Repräsentanten willkommen heißen.
Für beide Seiten war es ein bedeutungsvoller Moment. Das Treffen diente dazu, die bereits bestehenden guten nachbarschaftlichen Beziehungen auf eine neue Ebene zu bringen. So konnten bei der Zusammenkunft nicht nur verschiedene aktuelle Themen diskutiert, sondern bei Bedarf weitere Verhandlungen auf Expertenebene angestoßen werden. Im Zentrum des Arbeitstreffens stand die bilaterale Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Verkehr, Gesundheit und Sicherheit.

Von der Expo Milano bis zum Spital Oberengadin
Gemeinsam mit den Gotthard-Kantonen Tessin, Uri und Wallis wird Graubünden im nächsten Jahr Gast an der Expo Milano 2015 sein. Es wurde vereinbart, die Weltausstellung in Mailand zum Anlaß zu nehmen, zu prüfen, wie die grenzüberschreitende wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Graubünden und der Lombardei vertieft werden kann. Von einem Informationsaustausch auf Fachebene sollen Unternehmen beider Seiten profitieren. Eine enge Zusammenarbeit ist auch aufgrund der stark gestiegenen Zahl der Grenzgänger notwendig. Als beispielhaftes Wirtschaftsprojekt erwähnt wurde das Holzkompetenzzentrum Valposchiavo in der Grenzregion Poschiavo – Sondrio.
Geradezu Modellcharakter könnte ein Projekt zur grenzüberschreitenden Kooperation im Gesundheitswesen haben: Das Spital Oberengadin beabsichtigt, seine medizinischen Leistungen der Region Lombardei anzubieten. Noch sind einige gesetzliche und tarifarische Hürden zu überwinden. Beide Seiten sind übereingekommen, an einer Lösung zu arbeiten. Eine Rahmenvereinbarung zwischen der Region Lombardei und dem Kanton Graubünden könnte eine Möglichkeit sein.
Im Weiteren besteht der Wille, die Fahrpläne im öffentlichen Verkehr künftig besser aufeinander abzustimmen. Dies auch im Hinblick auf die Expo Milano 2015, damit Gäste aus Graubünden in den Genuss von direkten Anschlußverbindungen kommen. Was die Staus beim Anreiseverkehr nach Livigno betrifft, erwartet der Kanton Graubünden von der italienischen Seite ernsthafte Maßnahmen, um das Problem zu beheben.
Zur Steigerung der Grenzsicherheit wurde die Idee gemeinsamer Polizeipatrulljen besprochen. Mit gemeinsamen Patrulljen im Grenzgebiet könnte die Anzahl der polizeilichen Nachtdienste erhöht werden. Erfahrungen der Kantonspolizei Graubünden zeigen, daß dies abschreckend wirkt und zu weniger Delikten führt. Die Zusammenarbeit der Kantonspolizei mit den italienischen Sicherheitsorganen ist schon heute intensiv, und sie funktioniert bestens.
Regierungspräsident Mario Cavigelli zog ein positives Fazit zum Treffen mit der Delegation der Lombardei. Er zeigte sich an der anschließenden Medienorientierung in Le Prese überzeugt davon, daß solch freundschaftliche Gespräche wichtig seien, um die Beziehungen weiterzuentwickeln. Als direkte Nachbarn hätten Graubünden und die Lombardei zahlreiche gemeinsame Interessen. Das Gespräch habe gezeigt, daß auf einer gesunden Basis neue Ideen zur Prosperität beider Länder gefunden werden könnten.

