Ärztemangel in GR: Sollen Ärzte mit Medikament-Verkäufen mehr Geld verdienen können?

Ärztemangel in GR: Sollen Ärzte mit Medikament-Verkäufen mehr Geld verdienen können?

Die Apotheker sprechen sich für eine strikte Trennung zwischen der Verschreibung und der Abgabe von Medikamenten aus.

Bild: Apotheke1.ch
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Sie führen dabei Qualitäts- sowie auch Kostenaspekte ins Feld. Im Zuge des Ärztemangels im Kanton wird momentan wieder der Medikamentenverkauf durch Ärzte debattiert, die sogenannte Selbstdispensation.

Unter Selbstdispensation versteht man also den Verkauf bzw. die Abgabe von Arzneimitteln durch Ärzte. In vielen Ländern Europas ist diese strikt verboten, in vielen Kantonen der Schweiz erlaut manchen Kantonen der Schweiz erlaubt ist: Ärzte dürfen ihren Patienten Medikamente verkaufen.

Klingt verlockend, weil der Arzt ja auch eine Medizinalperson ist und man sich so den Gang zur Apotheke sparen kann. Allerdings wird dabei leicht vergessen: Verschreibt der Arzt ein teures Arzneimittel, verdient er mehr Geld.

Ärzte werden sowieso schon von der Pharma-Industrie mit teuren Hotelaufenthalten („Seminaren“) und vielen anderen Geschenken angehalten, die teuren Medikamente zu verschreiben. Der Druck dürfte sich noch erhöhen, wenn der Arzt sogar gleich selbst das Arzneimittel verkauft und nicht nur verschreibt, sagen die die Apotheker.

Angestoßen wird die Debatte durch einen Vorstoß im Großen Rat, der dahingehend zu verstehen ist, daß Ärzte künftig direkt an Medikamenten verdienen dürfen, wenn sie teurere Arzneimittel verschreiben:

Die Anfrage Holzinger-Loretz betreffend Zusammenhang zwischen der Beschränkung des Selbstdispensationsrechts der Ärzte und dem Mangel an Hausärzten im Kanton dreht sich um genau dieses Thema:

Wie der „Schweiz am Sonntag“ vom 1. Juni 2014 zu entnehmen war, fehlen gemäß einer Umfrage des Ärztenetzwerks Grisomed vom Herbst 2013 heute im Kanton gut 20 Hausärzte. Per 2018 sollen es rund 50 sein. Als Grund für den Hausärztemangel wird vom Grisomed-Geschäftsführer unter anderem die im Kanton geltende Beschränkung des Selbstdispensationsrechts der Ärzte angeführt.

Die Regierung wird in diesem Zusammenhang um die Beantwortung folgender Fragen ersucht:

1. Wie hoch ist die Differenz der Einnahmen einer Arztpraxis mit und ohne Selbstdispensation?

2. Wie beurteilt die Regierung die Auswirkungen der Beschränkung des Selbstdispensationsrechts der Ärzte auf den Bestand an Hausärzten im Kanton?

3. Ist die Regierung bereit, dem Großen Rat eine Vorlage zur Aufhebung der Beschränkung des Dispensationsrechts der Ärzte im Gesundheitsgesetz zu unterbreiten?

4. Welche Auswirkungen hätte eine allfällige Gesetzesänderung auf die Apotheken?

Unterschrieben haben den Vorstoß die Großräte Holzinger-Loretz, Hardegger, Geißeler, Blumenthal, Brandenburger, Buchli-Mannhart, Burkhardt, Casutt Renatus, Darms-Landolt, Dermont, Engler, Fontana, Furrer-Cabalzar, Giacomelli, Graß, Gunzinger, Hitz-Rusch, Jenny, Kasper, Koch (Tamins), Kollegger (Chur), Komminoth-Elmer, Kunz (Fläsch), Kunz (Chur), Lorez-Meuli, Niederer, Niggli (Samedan), Papa, Pfenninger, Rosa, Steck-Rauch, Stiffler (Davos-Platz), Trepp, Troncana-Sauer, Vetsch (Klosters Dorf), Waidacher, Wieland, Deplazes, Felix (Scuol), Kuoni, Müller (Susch), Patt, Schlatter, Spreiter

Anna-Margrith Holzinger (Foto: FDP-Frauen Graubünden)
Anna-Margrith Holzinger (Foto: FDP-Frauen Graubünden)

Über Anna-Margreth Holzinger-Loretz

Die FDP-Politikerin und Pflegefachfrau hat unter anderem folgende Ämter und Mandate inne (unvollständiger, gekürzter Auszug): Präsidentin Frauenturnverein Schiers, Vorstandsmitglied Rotes Kreuz Graubünden, Mitglied Evangelischer Großrat, Mitglied der Kommission Migration, Integration und Flüchtlinge, Vizepräsidentin FDP-Frauen Graubünden, Vizepräsidentin FDP Vorderprättigau, Delegierte der Flurystiftung und der Pro Prättigau sowie Mitinhaberin Haustechnik-Betrieb

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