Quartalsbericht Grossraubtiere: 19 Wolfsrudel in Graubünden – Bär im Unterengadin präsent

Quartalsbericht Grossraubtiere: 19 Wolfsrudel in Graubünden – Bär im Unterengadin präsent

Der Quartalsbericht Grossraubtiere Juli bis September 2026 wurde veröffentlicht.

Der Quartalsbericht des Bündner Amts für Jagd und Fischerei zeigt eine vielfältige Grossraubtiersituation: Neben Wölfen wurden im dritten Quartal zahlreiche Luchse und Bären nachgewiesen. Ein Wolf, der sich wiederholt in Siedlungsnähe aufhielt und Menschen gegenüber wenig scheu zeigte, soll abgeschossen werden.

In Graubünden sind Ende September 2026 insgesamt 19 Wolfsrudel ganz oder teilweise präsent. Das geht aus dem aktuellen Quartalsbericht Grossraubtiere des Amts für Jagd und Fischerei Graubünden hervor. Rechnerisch ergibt sich daraus ein Bestand von 16,5 Rudeln, da Rudel mit Territorien über die Kantonsgrenzen hinweg nur zur Hälfte gezählt werden.

14 Rudel leben ausschliesslich auf Bündner Kantonsgebiet. Fünf weitere nutzen Gebiete, die über die Kantonsgrenze hinausreichen. Damit bleibt der Wolf ein prägender Bestandteil der Grossraubtiersituation im Kanton.

Wolf wiederholt in Siedlungsnähe gesichtet

Für besondere Aufmerksamkeit sorgten im dritten Quartal mehrere Wolfsbeobachtungen mit auffälligem Verhalten. In den Gemeinden Surses sowie Breil/Brigels wurde jeweils ein Wolf gesichtet, der eine verzögerte Fluchtreaktion zeigte.

Mehrere weitere Beobachtungen gab es in Siedlungsnähe in den Gemeinden Lantsch/Lenz, Vaz/Obervaz und Albula/Alvra. Auch dort zeigte ein Wolf eine verzögerte Fluchtreaktion. Weil das Tier gegenüber Menschen ein unerwünschtes Verhalten an den Tag legte, verfügte der Kanton im September eine Abschussbewilligung.

Wie sich die Situation weiterentwickelt, dürfte auch für die Bevölkerung und die Landwirtschaft von Interesse sein. Das Amt für Jagd und Fischerei stellt dazu Verhaltensregeln und laufend aktualisierte Informationen zum Wolfsmanagement bereit.

Zwei Wölfe mit GPS-Sendern

Auch die Überwachung einzelner Tiere gehört zum kantonalen Wolfsmanagement. Das männliche Leittier des Rudels Frisal in der Surselva sowie ein männlicher Wolf aus der Mesolcina sind mit GPS-Sendern ausgestattet. Allerdings übertragen beide Sender inzwischen keine Daten mehr.

Detaillierte Angaben zu Wolfsabschüssen, weiteren Abgängen und Nutztierschäden veröffentlicht das Amt separat im monatlichen «Monitoring Wolfsmanagement».

Bär vor allem im Unterengadin nachgewiesen

Neben dem Wolf wurde auch der Bär im Kanton nachgewiesen. Im dritten Quartal gingen insgesamt 34 Bärennachweise ein. Diese stammten hauptsächlich aus den Gemeindegebieten von Zernez, Scuol und Valsot.

Nach Einschätzung der Fachstellen könnten sich zeitweise zwei verschiedene Bären auf Bündner Boden aufgehalten haben. Genetisch bestätigt wurde allerdings nur ein einziges Individuum: der Bär mit der Kennung M104.

344 bestätigte Luchsnachweise

Besonders zahlreich waren die Nachweise beim Luchs. Im Berichtszeitraum wurden im Kanton 344 bestätigte Beobachtungen registriert. Bei 37 Nachweisen handelte es sich um Beobachtungen mit Jungtieren. Dabei ist zu berücksichtigen, dass dieselben Jungtiere mehrfach erfasst worden sein können.

Die Zahlen geben einen Überblick über die dokumentierte Präsenz der Tiere. Aus der Anzahl der Nachweise allein lässt sich jedoch nicht unmittelbar auf die tatsächliche Gesamtpopulation schliessen.

Goldschakal auch im Bündner Oberland gesichtet

Auch der Goldschakal wurde im dritten Quartal beobachtet. Auf dem Gemeindegebiet von Trun gab es zwei Sichtungen. In Lumnezia gelang ein Nachweis mit einer Fotofalle. Eine weitere, allerdings nicht überprüfbare Sichtung wurde aus Maienfeld gemeldet.

Damit liegen für den Goldschakal unterschiedliche Arten von Beobachtungsnachweisen vor, deren Aussagekraft entsprechend variiert.

Informationen für Bevölkerung und Landwirtschaft

Das Amt für Jagd und Fischerei Graubünden informiert auf seiner Webseite über die aktuelle Situation der Grossraubtiere. Unter www.wolf.gr.ch werden zudem regelmässig neue Zahlen zum Wolfsmanagement veröffentlicht.

Ein SMS-Informationsdienst richtet sich insbesondere an Landwirte, Hirten, Imker und Gemeindebehörden. Informationen zur nationalen Situation sowie weitere Beobachtungs- und Genetikdaten sind über die Fachorganisation KORA zugänglich.

Der Quartalsbericht zeigt, dass Wolf, Bär, Luchs und Goldschakal im Kanton präsent sind. Gleichzeitig macht er deutlich, dass die Behörden die Entwicklung aufmerksam beobachten und insbesondere beim Verhalten einzelner Wölfe Massnahmen ergreifen können.

(pd, ki)

Admin

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