HKGR-GV und Economia 2026: Präsident Andrea Fanzun wiedergewählt und Debatte zu den Bilateralen III
Am 1. Oktober fand im GKB-Auditorium in Chur mit rund 180 Mitgliedern und Gästen die diesjährige Generalversammlung von Handelskammer und Arbeitgeberverband Graubünden (HKGR) mit der anschließenden Economia 2026 statt.
Im Zentrum des Abends standen die Wiederwahl des HKGR-Präsidenten Andrea Fanzun, neue Initiativen für Vernetzung und Fachkräftegewinnung sowie die Zukunft der Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU.
Zwei pointierte Referate und eine Podiumsdiskussion zeigten dabei die unterschiedlichen Positionen zu den Bilateralen III auf, berichten die Veranstalter:
Andrea Fanzun als HKGR-Präsident wiedergewählt
An der diesjährigen Generalversammlung blickte die HKGR auf ein intensives Verbandsjahr mit zahlreichen Herausforderungen für die Bündner Wirtschaft zurück. Neben der Behandlung der weiteren statutarischen Geschäfte wurden der Präsident Andrea Fanzun sowie die Vorstandsmitglieder Meinrad Candinas, Claudio Giovanoli, Oliver Hohl und Urs Schmid allesamt einstimmig für eine weitere Amtsperiode von drei Jahren wiedergewählt.
Zudem richtete die HKGR den Blick mit zwei neuen Projekten nach vorn. Einerseits lanciert die HKGR ab 2027 eine neue Veranstaltungsreihe mit dem Ziel, Führungskräfte zusammenzubringen und die konkreten unternehmerischen Herausforderungen sowie die Wettbewerbsfähigkeit des Werkplatzes Graubünden zu adressieren. Andererseits werden mit dem DWGR-Projekt «Graubünden Works» die Grundlagen dafür erarbeitet, wie mit gezielten Massnahmen und durch Kooperation von Unternehmen, Regionen und Gemeinden Arbeits- und Fachkräfte langfristig für den Arbeits- und Lebensraum Graubünden gewonnen werden können.
Bilaterale III im Zentrum der Economia 2026
Die anschließende Economia 2026 widmete sich unter dem Titel «Bilaterale III – Was steht auf dem Spiel?» dem neuen Vertragspaket zwischen der Schweiz und der EU. Dabei führte Moderator Peter Röthlisberger zunächst mit einer Auslegeordnung in die Bilateralen III ein und zeigte die zentralen Streitpunkte auf. In zwei Referaten und einer Podiumsdiskussion wurden sodann die Argumente für und gegen das Vertragspaket aus Sicht der Wirtschaft diskutiert.
Carl Illi, Teilhaber und Geschäftsführer der CWC Textil AG sowie ehemaliges Vorstandsmitglied von economiesuisse, sprach sich in seinem Referat klar für die Bilateralen III aus und stellte die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Unternehmen in den Fokus. Für ihn sind gute und verlässliche Beziehungen zur EU als wichtigstem Handelspartner – insbesondere beim Marktzugang, bei der Rekrutierung von Fachkräften und in der Energieversorgung – eine zentrale Voraussetzung für eine starke Schweizer Wirtschaft.
Für Dr. Marcel Erni, Mitgründer der Partners Group und von Kompass / Europa, ist demgegenüber der institutionelle Preis der Bilateralen III zu hoch und er lehnt diese ab. Aus seiner Sicht gehen insbesondere die dynamische Rechtsübernahme und die Rolle des Europäischen Gerichtshofs zu weit und schränken die direktdemokratische und regulatorische Eigenständigkeit der Schweiz ein. Auch die wirtschaftliche Notwendigkeit des Vertragspakets stellte Erni in seinem Referat infrage. Schweizer Unternehmen hätten grundsätzlich auch ohne das neue institutionelle Vertragswerk Zugang zum europäischen Markt.
In der anschliessenden Podiumsdiskussion wurden die unterschiedlichen Positionen vertieft. Neben Illi und Erni diskutierten Phyllis Scholl, Rechtsanwältin, Gemeindepräsidentin und Verwaltungsrätin verschiedener Bündner Unternehmen, sowie Urs Schädler, Inhaber und Verwaltungsratspräsident der Fischer Logistik und Ehrenpräsident des Bündner Gewerbeverbands, die zentralen Streitpunkte des Vertragspakets mit den möglichen Auswirkungen auf KMU’s, Marktzugang und Wettbewerbsfähigkeit sowie der Bedeutung für Graubünden als Export-, Tourismus- und Grenzkanton.
Mit den intensiv geführten Diskussionen bot die durch die Dachorganisationen der Wirtschaft Graubünden organisierte economia 2026 den Teilnehmenden eine fundierte Grundlage, um sich – fast zeitgleich wie der Ständerat – vertieft mit einer der wirtschaftspolitisch bedeutendsten Weichenstellungen der kommenden Jahre auseinanderzusetzen.
(pd, rm)
(Fotos: zVg)












