Bessere Verbindungen nach Bern +++ Auch bessere Preise und mehr Komfort? +++ Steuerzahler sparen viele Millionen

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Pluralität statt Zentralismus, ein Erfolsmodell im Schweizer Bahnverkehr.

Das sogenannte Mehrbahnenmodell, das auf dem Bundesratsentscheid zur Gestaltung der Bahnlandschaft mit dem Modell “SBB plus x” von 2003 basiert, soll auch im Fernverkehr die Qualität und Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer ÖV weiter verbessern.

Wer beobachtet, wie sich Bündner Bergdörfer mit schlechten ÖV-Anschlüssen entleeren und wie Gegenden wie z. B. das Domleschg mit einer sehr guten ÖV-Anbindung profitieren und überall gebaut wird, die Einwohnerzahlen steigen (in den im Tal gelegenen Orten), der weiß um die Wichtigkeit guter Verkehrsanbindungen.

Mal ganz abgesehen vom Tourismus, der auch profitiert – und damit wieder die Einheimischen zusätzlich profitieren.

Neue Direktverbindungen Chur – Bern

Vom Bahnhof Chur soll es in Zukunft dank SOB bessere Verbindungen nach Bern geben

Vom Bahnhof Chur soll es in Zukunft dank SOB bessere Verbindungen nach Bern geben

Die SBB will inskünftig die SOB mit dem Betrieb von zwei ihrer Linien beauftragen (Gotthard-Bergstrecke sowie Chur–Zürich–Bern)

Mit dem neuen Betriebsvertrag zwischen der SBB und der SOB sowie eine neue (außerkantonale, nicht Graubünden betreffende) Konzessions-Erteilung durch das BAV an die BLS wird diesem Ansatz Rechnung getragen.

Es sind neue Direktverbindungen zwischen Chur und Bern vorgesehen. Entwickelt werden soll eine direkte IR-Verbindung von Bern nach Chur.

Für die Strecke mit den Haltestellen Bern–Burgdorf–Langenthal–Olten-Zürich–Pfäffikon–Ziegelbrücke–Sargans–Chur ist das Produktionskonzept noch in Arbeit.

Die ersten Züge sollen erst Ende 2021 fahren.

Preissenkungen?

Wer beobachtet hat, was das Fernbusangebot von Flixbus ausgelöst hat auf der Strecke Chur – München und Chur – Mailand, der sieht den großen Wert der Vielfalt und des Wettbewerbs.

Es ist fast schon unglaublich.

Sogar die Deutsche Bahn bietet seit Flixbus eine günstige Verbindung an. Warum nicht früher das deutsche Staatsunternehmen auf sowas kam?

Sogar die Deutsche Bahn bietet seit Flixbus eine günstige Verbindung an. Warum nicht früher das deutsche Staatsunternehmen auf sowas kam?

Mit dem Bus von Chur ist man viel schneller in München. Und dies direkt (je nach SBB-Verbindung hat man Umstiege in St. Margrethen, Bregenz und Lindau). Aber auch für die Käufer von Zugbiletten hat sich was geändert.

Früher mußte, wer am Schalter kaufte 10 Fr. Auslandszuschlag, 10 Fr. Schalterzuschlag zahlen und man kann dann teilweise auf fast 100 Fr. für eine Fahrt. Seitdem Flixbus ab 19 Euro die Strecke anbietet, gibt es auch günstige Zugverbindungen.

Und sogar die Deutsche Bahn bietet neu eine Verbindung an, den Intercity-Bus von Chur nach München.

Er ist übrigens nicht buchbar über SBB.ch, sondern man muß direkt danach im Internet suchen.

Verbesserung des Angebots?

Wer oft von Graubünden bzw. Chur Richtung St. Gallen und ins Appenzell muß, wählt mit Vorzug die Fahrt über Ziegelbrücke und Uznach und ab dort mit der SOB nach Herisau oder St. Gallen. Obwohl man dort 2x umsteigen muß.

Im Zug der SOB gibt es Konduktöre, es hat einen Kaffeeautomat mit günstigen Preisen (Kaffee kostet 2,50 Fr statt wie beim SBB-Kaffee, wo man fast 5 Franken für einen winzigen Becher zahlt, der grad mal 2 Schluck Kaffee enthält). Zudem kann man Snäcks kaufen.

Und auch die Sitze sind bequemer, es gibt mehr Beinfreiheit als in Züge von RhB (die schrecklichen Quetsch-Züge von Peter Spuhler, in denen er wegen seiner Statur nicht fahren könnte und bei denen man nichtmal die Beine übereinanderschlagen kann!).

Sowohl in den älteren SOB-Zügen als auch in den neueren Zügen.

Man darf also hoffen, daß sich einiges verbessert, nachdem die SBB nun Konzessionen abgeben mußten.

Und daß die SOB auf der Strecke Getränke und Snäcks anbietet. Die RhB baut das Angebot aus, die SBB streicht das Angebot. Man darf gespannt sein, was die Strategie der SOB sein wird.

Die SOB-Züge haben Konduktöre, haben mehr Beinfreiheit und teilweise Getränke und Snäcks.

Die SOB-Züge haben Konduktöre, haben mehr Beinfreiheit und teilweise Getränke und Snäcks.

Erheblicher Widerstand der SBB

Vorausgegangen war den Verhandlungen ein längerer und erbittert geführter Streit um Konzessionen für den Fernverkehr mit den SBB, die gerne das Monopol behalten hätten.

An die SOB wurden im “Einvernehmen” zwei Fernverbindungen übertragen, an die BLS wohl ohne Einvernehmen per Verfügung des BAV.

Erstaunlich

Am Beispiel Flixbus Chur – München merkt man, welch erstaunliche Änderungen sich bei Monopolisten ergeben, wenn ein bißchen Vielfalt in den Markt kommt. Sogar die träge Deutsche Bahn tritt auf den Plan und konkurrenziert Flixbus, seitdem es Chur – München gibt.

Auf einmal ist die von den SBB stiefmütterlichst behandelte Strecke sogar für ausländische Unternehmen, die ständig Strecken streichen im eigenen Land, finanziell interessant.

Erstaunlich, daß die SBB jahrzehntelang nicht gemerkt haben, daß auf der Strecke Chur – München einiges nicht stimmt. Selbst heute nicht. Nur die Preise sind auch bei den SBB massiv gesunken, immerhin. Aber Personal hingegen gibt es keins mehr, Kaffee und Snäcks auch nicht (im Fernbus gibt es das alles).

Steuerzahler sparen Millionen

Daß Vielfalt und dezentrale Strukturen erfolgreicher sind als zentralistische Einfalt zeigt sich nicht nur am wirtschaftlichen Erfolg der kleinen kantönligeist-organisierten Schweiz im Vergleich zu zentralistisch regierten Staaten wie Frankreich, Italien oder Deutschland.

Dezentralisierung und das Zulassen von Vielfalt und Wettbewerb wirken auch im Bahnverkehr positiv, wie schon das obige Beispiel Flixbus zeigte. Aber auch bei der bevorstehenden Zulassung von mehreren Anbietern im Fernverkehr gegen den erheblichen Widerstand der SBB.

Denn neben den besseren Angeboten, die dank dem Mehrbahnenmodell möglich wurden, resultieren auch finanzielle Verbesserungen: Die Steuerzahler werden durch die Bereinigung des Fernverkehrsnetzes um 12 Millionen entlastet berichtet das BAV.

Remo Maßat

SOB-Bahnhof Uznach: Erfreulicherweise wird es neben RhB und SBB auch bald eine Präsenz der SOB in Chur geben.

SOB-Bahnhof Uznach: Erfreulicherweise wird es neben RhB und SBB auch bald eine Präsenz der SOB in Chur geben.

Mehr zum Thema: SchweizerZeitung.ch

 

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