Die Südostschweiz und „simpelste journalistische Grundregeln“ am Beispiel von Olympia 2022
Es geht um Geld, um viel Geld. Um bis zu 5 Milliarden. Allein für temporäre (!) Bauten soll eine halbe Milliarde her. Das Baugewerbe leckt sich bereits die Finger.

Dem Tourismus würden Olympische Winterspiele allerdings auch nichts nützen, so Gurtner im Gespräch mit der «Südostschweiz».
Das war der 5. Februar. An diesem Tag äußerte sich Gurtner klar kritisch zu etwaigen Olympischen Winterspielen 2022, für die allein die Bewerbung – nochmal: nur die Bewerbung – über 60 Millionen an Steuergeldern verschlingt.
Bekannt ist, daß Hanspeter Lebrument kantonal und auch national sich massivst für ein Stattfinden solcher – nicht nur in Hinsicht auf die Kosten sondern auch auf die Umwelt – äußerst fragwürdigen Sportanlaß einsetzt.
Einige werden sich die Augen gerieben haben
Dies ist nicht nur insofern von Bedeutung, als daß bereits die Unabhängigkeit der Quasi-Monopolzeitung Südostschweiz in punkto Olympia in-frage-gestellt wurde, sondern nun kommt noch etwas wirklich Übles:
Die Zeitung, die anderen Mini-Konkurrenten vorwirft, man halte „sich nicht mal an simpelste journalistische Grundregeln“, brachte Gurtner in der «Südostschweiz»-Beilage «Pro Olympia» als Befürworter. Nur wußte dieser gar nichts davon, daß er ein glühender Befürworter von Olympischen Winterspielen in Graubünden ist.
Reto Gurtner war genannt unter der „Liste mit Persönlichkeiten, die am 3. März mit großer Überzeugung Ja stimmen werden„.
Das unglaubliche: Angefragt wurde er nicht. Der schweizweit bekannte Touristiker aus Flims wurde einfach im gesamten Erscheinungsgebiet der Südostschweiz als eine Ikone der Befürworter abgedruckt.
Am 5. Februar hatte sich Reto Gurtner noch ausdrücklich in der Südostschweiz anders geäußert. (auf den Internetseiten der Südoschweiz bezeichnenderweise nicht zu finden, aber hier klar und deutlich nachzulesen).
Gurtner dazu, daß er als angebliche Befürworter-Persönlichkeit angepriesen wird in einem Leserbrief: „Ich distanziere mich klar von dieser Liste, da ich weder angefragt wurde, noch davon Kenntnis hatte.“
Soviel zu zu „simpelsten journalistischen Grundregeln“ (Jano Felice Pajarola), deren Einhaltung in hochmoralisch daherkommenden Lügen-Verrissen (wegen dem sie nun eine Strafuntersuchung ins Haus stehen hat) die Südostschweiz lauthals proklamiert für sich.
Der schweizweit bekannte Touristiker Gurtner im Leserbrief weiter: „Zudem sei seine kritische Haltung zu Olympia 2022 unter anderem in Interviews mit der «Südostschweiz» und dem «Tages-Anzeiger» publiziert worden.“
Nunja, kann ja mal passieren. Wie soll man sich auch in der heutigen schnellebigen Zeit im Qualitätsmedium- Journalismus an so überflüssige Prinzipien halten, daß man sich erst erkundigt (wenigstens im eigenen Hause) bevor man was abdruckt? Oder? Oder gehört sowas noch zu den von Jano Felice Pajarola hochmoralisierend hochgehaltenen „simpetsten journalistischen Grundregeln“? Daß man jemand anfragt, bevor man etwas abdruckt, in dem er als genau das Gegenteil dargestellt wird, das er ist?
Über just diesen Gurtner hatte Pajarola übrigens eine kleine Hetz-Serie von Artikeln verfaßt. Das Vergehen Gurtners? Er hatte sich kritisch über ein zweites Asylheim in Flims geäußert.
Sowas geht natürlich gar nicht. Ob Herr Pajarola Herrn Gurtner angefragt hat, bevor er über ihn so unheimlich sachlich schwadronierte und ihn als angeblich fremdenfeindlich darstellte?
Apropos: Zwei der drei „Berichte“ über Gurtner sind inzwischen auf den Portalen der Südostschweiz nicht mehr zu finden. Sang- und klanglos scheinen sie verschwunden, die „Berichte“ von Jano Felice Pajarola, die zuvor verknüpft waren. Ein Vorgehen, völlig in Einklang mit „simpelsten journalistischen Grundregeln“? Hm.
Wer sich nicht mit Lügen-Propaganda, sondern mit Argumenten informieren möchte, der kann dies tun. Und zwar hier.
Ach so: Und wenn Sie mal in der Südostschweiz was lesen, was gar nicht zutrifft: Etwa, wenn dort vielleicht geschrieben steht auf der Titelseite, daß sie gegen die Abzockerinitiative sind obwohl Sie sich seit Wochen dafür äußern. Oder etwa, wenn Sie seit Jahren eine schärfere Regulierung des Internets fordern, weil Sie Leute verachten, die anonym Inhalte über Dritte feige veröffentlichen und dann dort absolut gelogen steht, sie betreiben gleich eine ganze Internetzeitung anonym: Keine Gedanken machen. Sowas kommt bei der Art der prinzipiellen Beherzigung von simpelsten journalistischen Grundregeln bei diesem Blatt halt mal vor.
Und wenn der Chefredaktor sowas sich weigert zu korrigieren, obwohl er weiß, daß es eine Lüge ist, dann hilft nur der Rechtsweg…
Was für eine seriöse Zeitung hat da doch das Bündnerland!
Remo Maßat

