„Unzufriedene“ der Pfarrei-Initiative mit Auftritt in Chur – Doch der Papst bleibt wohl katholisch

Generalvikar Martin Grichting empfing am letzten Sonntag eine Gruppe von Unzufriedenen, welche nichts weniger fordern, als das die katholische Kirche den katholischen Glauben aufhören solle, zu praktizieren und der Zeit anpassen solle.
Rund 40 unzufriedene Seelsorgende der Pfarrei-Initiative haben am Sonntagnachmittag Bischof Vitus Huonder bzw. dessen Vertreter Generalvikar Martin Chrichting, in Chur Briefe übergeben.
Man kann es abkürzen und vorwegnehmen. Insofern, daß Grichting den Initianten deutlich-gemacht hat, die katholische Kirche werde wohl auch weiterhin katholisch bleiben.
Am 13 Januar reisten die Initianten der sogenannten Pfarrei-Initiative nach Chur. Die Reise bezeichneten sie als eine „Wallfahrt“. Ihre wesentliche Forderung, daß die katholische Kirche aufhört katholisch zu sein, konnte nur – die mußte auch in Verantwortlichen der Pfarrei-Initiative bewußt gewesen sein – auf ein Nein stoßen.
Wer die Forderungen der Initianten liest, fragt sich, warum diese Initianten wollen, daß die katholische Kirche aufhört katholisch zu sein. Wenn sie mit dem katholischen Glauben derart unzufrieden sind wie in der Initiative vorgebracht, so wäre es doch der einfachste Weg, diesen Glauben, mit dem sie nichts mehr am Hut haben möchten, zu verlassen und sich anderen Glaubensrichtungen zuzuwenden.

Diese sind schließlich mannigfach vorhanden. Es stellt sich daher die Frage, warum die Initiatianten der Pfarrei-Initiative auf Biegen und Brechen die katholische Kirche unkatholisch machen wollen.
Wer sich nicht mehr vegan ernähren möchte, geht ja auch nicht zu Veganer-Vereinigungen und fordert, diese müßten nun sich wandeln und Fleisch auf die Speisekarte aufnehmen. Oder wer gegen den Atomausstieg ist, käme ja auch nicht auf die Idee, nun zu fordern, Grüne Partei und die Grünliberale Partei müßten ihr Parteiprogramm ändern. Sondern er wird aus diesen Parteien, mit deren Programm er nicht mehr konform-geht, austreten. Oder jemand, der befürwortet, daß die Schweiz in die EU gehen soll, wird doch nicht als SVP-Mitglied fordern, die Partei müsse ihre Haltung ändern, sondern er wird einer anderen Partei, welche den EU-Beitritt im Programm hat, beitreten und zum Beispiel SP-Mitglied werden.

Diese Beispiele veranschaulichen, wie schizophren die abwegigen Forderungen der sogeannten Pfarrei-Initiative.
In Medien ist die Rede von „unzufriedenen Seelsorgern“, die zu Ungehorsam aufrufen. Wer sind diese „unzufriedenen Seelsorger“ eigentlich?
Es ist immer auch bedeutend, anzuschauen, wer eigentlich hinter etwas steht, wer die Triebfeder(n) hinter etwas ist (sind), um die wahren Motive zu verstehen.
Als Initianten sind fünf Personen aufgeführt.
Die Kerngruppe der Pfarrei-Initiative sind ausweislich der Webpräsenz der fraglichen Initiative wohl eingefleischte Alt-68er: Hans-Peter Vonarburg, Monika Schmid, Markus Heil, Ute van Appeldorn und Georg Schmucki.
Georg Schmucki, erstgenannte Person auf der Initianten-Webseite ist ein kürzlich in Pension gegangener Pfarrer. Komisch, daß jemand, der offenbar jahrzehntelang Geld und Amt von der katholischen Kirche nahm, quasi zeitgleich mit seiner Pensionierung eine Initiative startet, die nichts weniger fordert, als daß die katholische Kirche aufzuhören habe, katholisch zu sein.

Inspiriert worden sei man von der Pfarrerinitiative in Österreich, so Schmucki gegenüber Medien freimütig. Diese hat einen Altersdurchschnitt auf ihrer Webseite veröffentlicht. Die Mitglieder sind im Durchschnitt 59 Jahre alt. Also auch hier: Nebst wohl einigen jüngeren Personen eine Riege von eingefleischten Alt-68zigern.
Generalvikar Martin Grichtig jedenfalls zeigte sich am 13. Januar kommunikativ und freundlich. Er hörte geduldig zu. Etwa auch, als Monica Schmid gegen die Lehre der Bibel polterte und sie quasi als „Sackgasse“ bezeichnete. Wörtlich: „Wir wollen aus der Sackgasse raus, in die uns andere geführt haben!“
Offenbar ist sie also nicht freiwillig zur katholischen Konfession gekommen, sondern wurde in diese von ihr als „Sackgasse“ empfundene Glaubensrichtung hineingezwungen.
Dabei gilt doch eigentlich in der Schweiz Religionsfreiheit. Insofern müßte man den Fall eventuell einmal genauer untersuchen, wie Schmid in diese Sackgasse kam.
Doch Grichting zeigte sich trotz der massiven Attacken gastfreundlich-großzügig. Er übergab den selbsternannten Wallfahrern – christlicher Nächstenliebe entsprechend – sogar anläßlich der klirrenden Kälte Glühwein.
Und äußerte: „Es gibt Laien, die sich wie Priester aufführen. Und dann gibt es leider Priester, die sich wie Laien benehmen.“
Ob er damit den als notorisch „mediengeil“ verschrieenen umstrittenen Abt Martin Werlen meinte, der – hört man das, was er spricht – mit katholisch ungefähr noch soviel zu tun zu haben scheint wie ein Fisch mit einem Fahrrad zu tun hat? Man kann nur mutmaßen. Werlen jedenfalls traf sich mit den Initianten der Pfarrei-Initiative, welche die Abkehr von der katholischen Lehre fordert und sympathisiert offen mit ihr. Wenn Werlen sowenig mit der katholischen Lehre am Hut hat, wie die Initianten mit ihr am Hut haben, fragt sich bei beiden: Warum sind sie noch in der kathlischen Kirche?
Ein Veganer würde ja auch nicht in einer Metzgerei arbeiten. Oder doch? Vielleicht, wenn er gut bezahlt würde und Angst hätte, daß ihn sonst an keinem Arbeitsplatz jemand will. Jedenfalls wundert es wirklich, warum all diese Leute, wenn sie doch so unzufrieden mit der katholischen Lehre sind, diese weiterhin unbedingt vertreten wollen.
Generalvikar Grichting brachte es denn auch auf den Punkt: „Die Unterzeichner dieser Initiative haben nicht ein Problem mit dem Bischof von Chur, sondern mit der Weltkirche.“
Mit dieser können sich die Initianten der fraglichen Initiative nun auseinandersetzen. Grichting scheute keine Mühe und übergab den Anwesenden einen USB-Stick, auf dem die Positionen des 2. Vatikanischen Konzils zu den Fragen ihrer Forderungen betreffend enthalten sind.
Daß ihnen Dokumente mit der offiziellen Lehre der katholischen Kirche übergeben werden, wurde allerdings nicht mit Dank quittiert, sondern mit Aggression.
Die Lehre der Kirche wurde sogar als Provokation empfunden: „Eine masslose Provokation“, ereifert sich entrüstet eine sichtlich erregte Frau.
Und sogar Böses wird unterstellt: „Bestimmt haben sie einen Virus auf diese Sticks geladen“, so ein Mann
Grichting ließ sich als Vertreter des Bischofs Vitus Huonder jedoch nicht aus der Ruhe bringen und praktizierte gelebte Nächstenliebe.
Er ließ den Anwesenden bei der klirrenden Kälte sgar Glühwein ausschenken und ermuntert die Anwesenden, die Wahrheit zu suchen: „Ich hoffe, Sie finden im Wein die Wahrheit. Deshalb schenke ich Ihnen Glühwein aus.“
Doch auch dies läßt die konfliktsuchenden Leute nicht besänftigen. Die Leute geben sich aufgebracht. „Ich glühe schon, ich brauche keinen Glühwein“ so ein betagterer „Wallfahrer“. Und Grichting wird mit üblen Beschimpfungen und Kraftausdrücken eingedeckt. Die Nächstenliebe, die er entgegenbrachte wird ihm nicht gedankt. Als Kirchenmann wird er es wohl verkraften.
Bistumssprecher Giuseppe Gracia spricht schließlich aus, was Faktum ist: „Die Initianten haben ein Problem mit der kirchlichen Lehre und von dieser wird nicht abgewichen.“
Die katholische Kirche wird somit wohl auch weiter katholisch bleiben. Auch, wenn einige dies gerne ändern täten.
Remo Maßat
Die „Selbstverständlichkeiten“ der Initiative sind denn auch nicht weniger als eine Forderung der Abkehr der katholischen Kirche von der katholischen Lehre. Für alle, die dies nicht glauben und sich selbst eine Meinung bilden möchten, hier die als „Selbstverständlichkeiten“ bezeichneten Forderungen der Pfarrei-Initiative im Wortlaut:
Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner der Pfarrei-Initiative benennen, was ihnen „selbstverständlich“ ist und was zum kirchlichen Ungehorsam führt. Die Erklärung im Wortlaut:
1. Wir glauben, daß Gott selbst in der Kirche und in den Sakramenten heilend wirkt. Wir müssen nicht über „würdig“ und „unwürdig“ entscheiden. Wir teilen selbstverständlich mit allen Getauften, die sich vom Auferstandenen zum Mahl eingeladen fühlen und daher zur Kommunion kommen, das „Brot des Lebens“ (Joh 6,48).
2. Wir teilen selbstverständlich mit den Schwestern und Brüdern anderer christlicher Kirchen das Mahl, das Jesus uns aufgetragen hat, feiern dieses mit ihnen und nehmen auch an der Mahlfeier in ihren Traditionen teil.
3. Wir bitten selbstverständlich mit wiederverheirateten Paaren um einen Segen für ihre Beziehung und thematisieren umsichtig die Frage von Schuld, Versöhnung und Neuanfang. Wir teilen mit ihnen das Brot des Lebens.

4. Wir betrachten die Menschen mit ihren verschiedenen sexuellen Orientierungen selbstverständlich als unsere Schwestern und Brüder und setzen uns dafür ein, dass sie mit allen Rechten und Pflichten zu unserer Kirche gehören.
5. In der Eucharistie- und in der Wortgottesfeier wird das Wort Gottes in der Predigt (Homilie) selbstverständlich von theologisch ausgebildeten, getauften und gefirmten Frauen und Männern ausgelegt.
6. Kranken Menschen sprechen wir selbstverständlich Ermutigung zu und feiern mit ihnen und ihren Angehörigen, wenn sie dies wünschen, eine stärkende Salbung.
7. Auf verschiedenen Wegen bieten wir Menschen selbstverständlich Schritte in ein versöhntes Leben an. Wir sind überzeugt davon, daß das Wesentliche von Vergebung im Versöhnungsgespräch, in der persönlichen Umkehr und in der Bereitschaft zur Versöhnung geschieht.
8. Die verantwortlichen Seelsorgenden und Diakone tragen im gegenseitigen Einverständnis mit dem Priester fürbittende Teile des Eucharistischen Hochgebets vor und bringen so selbstverständliche die Vernetzung der Dienste in ihrer gemeinsamen Verantwortung für die Kirche zum Ausdruck.
9. Weil in der Regel das solidarische Christus-Zeugnis unmittelbare Begegnung braucht, setzen wir uns selbstverständlich dafür ein, daß unsere Pfarreien überschaubar bleiben. Ein Pastoralraum, ein Seelsorgeraum bzw. eine Seelsorgeeinheit arbeiten daher subsidiär.
10. Jede Pfarrei feiert selbstverständlich jeden Sonntag den „Tag des Herrn“ mit den Menschen und den Seelsorgenden vor Ort. Jede Pfarrei hat weiterhin eine eigene Bezugsperson im Sinne einer Gemeindeleitung.
Deshalb setzen wir uns dafür ein, daß befähigte Frauen und Männer ohne Rücksicht auf den Lebensstand zu verantwortlichen Diensten in der Kirche geweiht werden.

